...

~ Bis ich zur Mumie werde ~
von Simon Ackermann

Des Lebens müde und in der Richtung,
zur Jugend liebster Waldeslichtung,
war ich zu der Reise aufgebrochen
wo Blüten so nach Frühling rochen.

Dieser Ort, mein Grab soll er werden,
ich bin es so leid, das Leben auf Erden
und so bau ich hier meinen letzten Bau
ernähre mich nur von des Morgens Tau.

Hungernd will ich aus dem Körper fahren,
will gänzlich des Hungers Leid erfahren.
In meinem Gepäck ein Radio und Kerzen
und die Erinnerung in meinem Herzen.

Auf den Fährmann der Seele warte ich,
auf dass er bald bringe hinüber mich,
ich nehme Abschied, zögernd doch stet,
bis es mich gänzlich hinüber weht.

Gelächter rauscht aus dem Radio leise,
fühle mich schon so fern der Welt,
ich verachte des Menschen Lebensweise,
es gibt da nichts mehr was gefällt.

Ich bin so alleine und bin es nicht,
ich höre das Summen der Insekten,
habe das Sonnen- und das Sternenlicht,
Gedanken, die nie zuvor in mir steckten.

Zwei Wochen sind bereits verstrichen,
kein Stuhlgang mehr, oder Erektion,
Winde, die über den Körper strichen,
Fährmann so komm, ich warte schon.

In Träumen sehe ich wilde Pferde,
auf dass auch ich frei bald werde.
Die dritte Woche ist schon rum,
Batterien leer, das Radio stumm.

Ich erwache durch des Bienen Stich,
nach einem Monat nun zweifel ich,
der Hungertod, er zieht sich hin,
ich noch auf Erden verankert bin.

Heute Regen, doch es bleibt warm,
immer dünner werden Bein und Arm,
von Reserven zehre ich schon lang,
hindert mich nicht am Todesdrang.

Kann nichtmehr gehen, bleibe liegen,
bekomme Besuch von vielen Fliegen.
Hät ich den Körper besser trainiert,
es mich Nachts nun schmerzlich friert.

Die Krämpfe im Leib, sie nehmen zu,
lassen mich keine Sekunde in Ruh.
Sie singen mit mir nun den Abgesang,
bis ich die Arme nicht mehr heben kann.

Oh schmerzlich soll die Scheidung sein,
das Herz stellt seine Arbeit ein,
befreit von Schmerz stehe ich am Fluss,
mein Dasein erfüllt sich mit Genuss.

Sie will mir niemals kommen, die Fähre,
doch sehe ich am Ufer eine weisse Mähre.
Sie deutet mir zur entfernten Brücke hin,
da soll ich drüber, dies ist mein Sinn.

Über die Brücke reite ich zu Pferde,
während ich auf Erden zur Mumie werde.
Viele Leute sind da, ich reite schnell,
lass alles hinter mir und es wird hell.

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Antoher Love - Tom Odell I...
Antoher Love - Tom Odell I wanna take you somewhere...
eulchen. - 3. Okt, 22:02
Stufen Hermann Hesse Wie...
Stufen Hermann Hesse Wie jede Blüte welkt und jede...
eulchen. - 21. Sep, 15:40
September Hermann Hesse...
September Hermann Hesse (1877-1962) Der Garten trauert, kühl...
eulchen. - 17. Sep, 18:19
Jemand hat mir mal...
Jemand hat mir mal gesagt, die Zeit würde uns wie...
eulchen. - 6. Sep, 14:30
''Vergangenes kann man...
''Vergangenes kann man nicht ändern, aber sich kann...
eulchen. - 2. Sep, 17:57

Links

Suche

 

Status

Online seit 4656 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 3. Okt, 22:02

Credits


lyrics
photography
Sprüche
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren